Hantelstrategie kontra Schwarze Schwäne

Wenn das Finanzsystem zum Glücksspiel wird

Hantelstrategie kontra Schwarze Schwäne

Finanzexperte Ronny Wagner

Können wir die Zukunft vorhersehen? Nein. Weil wir aber immer wieder glauben, das zu können, werden wir von der Realität überrascht – wie momentan durch die globale Finanzkrise. Vor der Entdeckung Australiens glaubten die Europäer, dass alle Schwäne weiß sind. Andere Farben? Undenkbar. Dann aber wurde Australien entdeckt. Und dort gab es schwarze Schwäne. Seit dem gelten sie als Metapher für plötzlich auftretende, aber sehr unwahrscheinliche und außergewöhnliche Ereignissen. Dazu zählen u.a. der Ausbruch des Ersten Weltkrieges, der Siegeszug von Google, der 11. September 2001 oder die aktuelle Finanzkrise.

Schwarze Schwäne lehren die Kapitalmärkte singen

Es kommt immer wieder zu diesen unerwarteten Ereignissen, auch wenn wir uns das nicht vorstellen können oder wollen. Extrem unwahrscheinliche Ereignisse an den Kapitalmärkten können dramatische Auswirkungen auf die Vermögenswerte von Anlegern und Investoren haben. Schwarze Schwäne zu ignorieren, kann Menschen in jeder Hinsicht ruinieren. Für viele Amerikaner wurde der Traum von den eigenen vier Wänden zum Alptraum. Viele Isländer verloren durch den Bankencrash ihre Spareinlagen. Und in Deutschland mussten die Bundesregierung und der Bankenverband dem Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate mit 15 Milliarden Euro aus der Klemme helfen. Die Verlierer der Finanzkrise können ein Lied davon singen, dass Schwarze Schwäne mit den gängigen Mitteln nicht vorhergesagt werden könnten.

Es bedarf eines fundamentalen Paradigmenwechsels

Die Gefahr der Schwarzen Schwäne nimmt ironischerweise zu, je mehr Wissen wir uns aneignen. Je mehr wir wissen, desto eher entwickeln wir ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Die Auswirkungen dieser Illusion, alles zu wissen, führt uns die Krise der globalen Finanzmärkte gerade deutlich vor Augen. Banken und Versicherungen gründeten ihre Geschäftsmodelle auf der Annahme, Risiko anhand von Daten aus der Vergangenheit exakt einschätzen zu können. Sie haben Produkte kreiert, die Investoren vorgaukelten, die Risiken seien überschaubar. Ein fataler und vor allem teurer Trugschluss. Es darf als gesicherte Erkenntnis gelten, dass die Zeit der traditionellen ökonomischen Marktmodelle vorbei ist.

Von der Variabilität der Natur lernen

Die rettende Idee besteht darin, dafür zu sorgen, dass die menschlichen Berechnungsfehler am Kapitalmarkt beschränkt bleiben und zu verhindern, dass sie sich im ganzen System ausbreiten. Der Versuch, Schwankungen an den Kapitalmärkten zu reduzieren ist ein sinnloses Unterfangen. Dieses Rauschen der Finanzmärkte ist absolut natürlich. Es gleicht dem Lauf der Dinge im täglichen Leben. Ein ständiges Auf und Ab. Die Volatilität und den Einfluss des normalen Zufalls zu minimieren, führt dazu, dass wir Schwarzen Schwänen stärker ausgesetzt sind. Es wird eine künstliche Ruhe erzeugt. Aus der Biologie wissen wir, dass die Natur und alle Populationen eine extreme Variabilität erleben und dadurch einen ständigen Wechsel von Überschuss- und Mangelperioden durchlaufen.

Überschuss und Mangel sind wie Licht und Schatten

Für uns Menschen bedeutet das, dass wir darauf ausgerichtet sein müssen, extremen Überschuss und extremen Mangel zu erfahren und zu ertragen. Unsere Nahrungsaufnahme soll hier exemplarisch angeführt werden. Kein Einziger der Leute, die uns weismachen wollen, dass wir „drei Mahlzeiten am Tag brauchen“ und uns „beim Essen Mäßigung auferlegen“ müssen, hat empirisch überprüft, ob das tatsächlich gesünder ist als periodische Fastenzeiten, auf die große Festmähler folgen. Fastenzeiten gibt es in den meisten Religionen.

Woher stammt die Idee, dass „regelmäßige“ körperliche Betätigung erforderlich ist? In der Steinzeit gab es niemanden, der jeden Tag in der Woche jeweils 30 Minuten joggte. Die Jäger der Steinzeit taten das nicht. Sie pendelten damals zwischen Extremen hin und her. Viel Muße, ein bisschen hohe Intensität. Auf die heutige Zeit angewendet macht eine Kombination von sehr langen Spaziergängen gepaart mit körperlicher Bewegung von hoher Intensität mehr Sinn als das einfache Laufen.

Nur, wer sich auf die verschiedenen Phasen des Lebens „Ruhe und Intensität“, „Mangel und Überfluss“ oder „Sicherheit und Risiko“ einstellt, kann Schwarzen Schwänen tapfer ins Auge schauen.

Hantelstrategie kontra Schwarze Schwäne

Wie diese Erkenntnisse auf die Kapitalmärkte angewandt werden können, um einfache und nachvollziehbare Anlagestrategien zu entwickeln, zeigt die Hantelstrategie. Nüchtern betrachtet, ist das wesentliche Ziel der Kapitalanlage, Vermögen zu bilden und dessen Wert zu sichern. Die Hantelstrategie unterscheidet genau in diese beiden Teile: Vermögenssicherung und Vermögenswachstum.

Der wichtigste Teil der Hantelstrategie, die Vermögenssicherung, zeichnet sich durch einen hohen Anteil an extrem risikoarmen Anlagen aus. Darin liegt heutzutage auch die große Herausforderung. Es geht darum, einen Teil des Vermögens in Werte zu tauschen, die dauerhaft attraktiv bleiben und sich wieder gegen andere Güter zurücktauschen lassen.

Die zweite Seite der Hantel wird als „Vermögenswachstum“ bezeichnet. Hier werden ganz bewusst hohe Risiken eingegangen, um Chancen an den Kapitalmärkten zu nutzen. Wie bei einem Gewichtheber müssen beide Hantelseiten in Balance sein. Nur so sind Sie vor Schwarzen Schwänen gewappnet.

Die Balance der beiden Hantel-Seiten

Setzen Sie für den risikolosen Portfolioanteil (Vermögenssicherung) ausschließlich kurzlaufende Anlagen wie Geldmarktfonds oder Kurzläufer ein. Der Geldmarktanteil zielt im Portfolio auf die Risikoreduzierung und nicht auf die Renditeverbesserung. Um dem Risiko der Geldentwertung (Inflation) nicht ausgesetzt zu sein, wird diese Position mit Edelmetallen abgesichert. So entsteht auf der Vermögenssicherungsseite eine Konstruktion die sowohl gegen Inflation schützt (Edelmetalle), als auch gegen Deflation (Cash).

Die zweite Seite der Hantel „Vermögenswachstum“ funktioniert nur über einen Wissensvorsprung und ein kalkulierbares Risiko. Alles andere käme einem Glücksspiel gleich, bei dem man nur verlieren kann. Es geht darum nicht einzelne Kennzahlen, sondern ganze Märkte zu beobachten. Allein im Falle eines Pyramidenspiels, als das unser heutiges Geldsystem bezeichnet werden kann, lässt sich für kurze Zeit auf Kosten der anderen Marktteilnehmer eine positive Rendite erzielen. Um diesen Wissensvorsprung geht es beim „Vermögenswachstum“.

Bei den herkömmlichen Portfoliotheorien ist der Anleger „Schwarzen Schwänen“ in negativer Form ausgesetzt. Die Hantelstrategie reduziert dagegen das Risiko des „Schwarzen Schwans“ deutlich. Sie ist ihm sogar in positiver Form ausgesetzt.

Der nächste Schwarze Schwan kommt bestimmt

Wir können die Zukunft nicht sicher voraussagen, denn wir bewerten das Heute mit unseren Erfahrungen von Gestern. Keine Geschichte veranschaulicht dies besser als die des englischen Kapitäns Edward John Smith. Nach der Jungfernfahrt der ADRIATIC im Jahre 1907 sagte Smith in New York zur amerikanischen Presse: „Wenn mich jemand bitten würde, meine 40 Jahre auf See kurz zu beschreiben, so würde ich nur „ereignislos“ sagen. Ich war noch nie in einen erwähnenswerten Unfall verwickelt, habe noch nie ein Wrack gesehen, bin noch nie ein Schiff gefahren, das zerstört wurde, und war nie in einer Zwangslage, die in einer Katastrophe hätte enden können … Ich kann mir keine Situation vorstellen, die ein Schiff zum sinken bringen könnte. Dazu ist der moderne Schiffsbau zu weit fortgeschritten.“ (Quelle: www.tictanic.de) Fünf Jahre später übernahm Smith das Kommando auf der „Titanic“.

Die Schule des Geldes ist die erste vollkommen unabhängige Institution, die dem Wesen eines natürlichen, konstruktiven Geldbewusstseins und den Gesetzen des Gelduniversums nachgeht. Der Umgang mit dem Geld unterliegt als Spiegel der menschlichen Seele vor allem den Gesetzen der menschlichen Psychologie.

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